Interview mit Kirchenmusiker Bartholomäus Prankl

In der Antike wurde sie zu Tanz und Unterhaltung verwendet, heute kennt sie jeder aus der Kirche – die Orgel. Im Gottesdienst gibt sie den Ton an und verleiht ihm etwas Feierliches. Bartholomäus Prankl, Kirchenmusiker in Altstätten, erzählt von der Faszination für dieses besondere Instrument.

 

 

 

 

 

Die Pfeifenorgel wird auch die „Königin der Instrumente“ genannt. Warum?

Bartholomäus Prankl: Schon Mozart hat das Instrument Orgel einst als „König der Instrumente“ bezeichnet. Die Orgel ist eines der grössten Instrumente und vereint in sich Pfeifengruppen mit ganz unterschiedlichen Klangfarben und Lautstärken. So ist die Orgel vergleichbar mit einem Orchester, das von einem einzigen Musiker gespielt wird. Die Bezeichnung „Königin der Instrumente“ ist daher sehr passend.

 

Seit wann hat die Orgel Einzug in die Kirche genommen?

Im oströmischen Reich wurden Pfeifenorgeln bereits im Kaiserzeremoniell verwendet. Vor etwa 1200 Jahren kam die Orgel dann über das fränkische Reich in den Westen und wurde zur feierlichen Gestaltung der Gottesdienste verwendet.

 

Welchen Beitrag leistet die Orgelmusik  für die Feier des Gottesdienstes?

Eine wichtige Aufgabe der Orgel ist die Führung des Gemeindegesanges. Die Orgel kann aber auch im Solospiel mit ihren orchestralen Möglichkeiten Stimmungen aufgreifen und erzeugen. Gerade die Improvisation ist eine der wichtigsten Aufgaben des Organisten. Auch durch das Interpretieren von Orgelwerken wird eine Atmosphäre geschaffen, die die Herzen öffnet für das Wort und die Tat Gottes.

 

Altstätten ist neuer Standort der diözesanen Kirchenmusikschule St. Gallen. Welche Ausbildungen werden bei uns angeboten?

Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben die Möglichkeit in Altstätten Unterricht in den Fächern Orgel und Liturgiegesang zu belegen. Der Orgelunterricht, der Grundlagen im Klavierspiel erfordert, vermittelt Literaturspiel und liturgisches Orgelspiel.

 

Wie schwer ist das Spielen mit Händen und Füssen auf diesem Instrument?

Bei der Orgel müssen mehrere Ebenen gleichzeitig koordiniert werden: Die Tasten mit den Händen (Manual) und die Tasten mit den Füssen (Pedal). Hinzu kommen noch das Bedienen des Schwelltritts und das Registrieren. Wenn man neben einer musikalischen Begabung gute Grundlagen im Klavierspiel mitbringt und die Leidenschaft für dieses Instrument erst einmal entfacht ist, dann ist es nur eine Frage der Zeit bis man die Technik beherrscht.

 

Was fasziniert dich persönlich an diesem Instrument?

Schon als Kind hat es mich „gepackt“, wenn beim feierlichen Einzug der Messe die Orgel ertönte und die Kirche zum Klingen brachte. Die Möglichkeiten von der zarten Solo-Flöte bis zum gewaltigen Tutti in einer freien Improvisation auszukosten, begeistern mich neben den grossen Werken der Orgelliteratur Bachs und Werken der dt. und frz. Romantik bis heute am meisten.

Flyer Orgeltag Altstätten
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