Trotz aller Dramatik voller Zuversicht

Die Aufführung des Mozart - Requiems am 22. November war ein glanzvoller Höhepunkt der Konzertsaison.

Altstätten. – Am frühen Sonntagabend fand in der katholischen Pfarrkirche ein grosses Kirchenkonzert statt. Ausführende waren der Kirchenchor, die Chorakademie und das Orchester Sankt Nikolaus. Als Gesangssolisten waren Jenavieve Moore (Sopran), Martina Gmeinder (Alt), Thomas Atkins (Tenor) und Johannes Schwendinger (Bass) zu hören. Bernhard Loss spielte auf der Orgel, die Gesamtleitung hatte Chordirektor Bartholomäus Prankl. Auf dem Programm standen „Adagio for Strings“ von Samuel Barber (1910 – 1981), „Prélude et fugue sur le nom d’Alain“ von Maurice Duruflé (1902 – 1986) und als Hauptwerk das „Requiem d-Moll KV 626“ von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791).

 

Auftakt mit Trauermusik.

Eröffnet wurde der Konzertabend in der gut gefüllten Kirche mit einigen Gedanken von Hanspeter Küng und Pfarrer Albert Wicki. Beide sprachen über das Verhältnis Mozarts zum Tod, dessen letztes Werk an diesem Abend zur Aufführung kam. Trotz seiner noch jungen Jahre hatte Mozart viel über den Tod nachgedacht. Dieser hatte nach seinen eigenen Worten nichts erschreckendes, eher viel beruhigendes und tröstendes für ihn.

Den konzertanten Auftakt machte das Orchester St. Nikolaus mit „Adagio for Strings“, dem wohl populärsten Werk des Amerikaners Samuel Barber, das oft bei Trauerzeremonien gespielt wird. Darauf folgte ein Orgelsolo, gespielt von Bernhard Loss. Mit „Prélude et fugue sur le nom d’Alain“ setzte Maurice Duruflé dem wie Mozart früh verstorbenen Freund und Komponisten Jean Alain ein Denkmal. In der Tonsprache stark von der Gregorianik und von impressionistischer Klanglichkeit beeinflusst, hatte das Stück bei aller Trauer doch sehr viel Charme und wurde vom Publikum mit viel Applaus bedacht.

 

Eigenen Grabgesang geschrieben.

Im Zentrum des Konzerts stand das folgende „Requiem d-Moll KV 626“ von Wolfgang Amadeus Mozart. Es ist das letzte Werk, das Mozart komponiert hat. Der 35-jährige Komponist konnte diese Komposition, ein Auftragswerk des anonym bleibenden Grafen von Walsegg, nicht mehr vollenden. Mozart wusste wohl, dass er sterben würde, ahnte, dass er mit diesem Requiem seinen eigenen Grabgesang schrieb. Am fünften Dezember 1791 starb Mozart, mitten in der Arbeit für das Requiem. Einer seiner Schüler, Franz Xafer Süssmayr, vollendete auf Bitten von Mozart’s Frau Constanze das Stück.

Die Aufführung in der Pfarrkirche in Altstätten gehörte sicher zum eindringlichsten, was hier je gesungen und gespielt wurde. Unbestrittener Star des Abends war der Chor, ein Zusammenschluss von Chorakademie und Kirchenchor St. Nikolaus unter der Leitung von Bartholomäus Prankl. „Ich habe nie gedacht, dass es nicht geht, aber zeitweise nicht gedacht, dass es so gut wird“, meinte Dirigent Prankl schon vor der Aufführung.

 

Stehende Ovationen.

Bei allen Schwierigkeiten und Herausforderungen, wie den Koloraturen in den kontrapunktischen Teilen der grossen Doppelfuge im Kyrie, stand der Chor über der Sache. Gerade die schwierigen Passagen wurden mit Leichtigkeit gesungen. Dem Chor zur Seite standen mit Jenavieve Moore, Martina Gmeinder, Thomas Atkins und Johannes Schwendinger ein internationales Solistenquartett, das sich nahtlos und stimmlich brillant in die Aufführung einfügte. Eine Hauptrolle spielte auch das professionelle Orchester, dessen Bläser Lehrkräfte des Konservatorium Feldkirch waren. Die Freude im Publikum war gross. Nachdem der letzte Ton verklungen war, standen alle auf und huldigten den Künstlern, dankten für das berührende Erlebnis.

 

 

 

Altstätten, 23. 11. 2015

Theodor Looser