Konzert mit Werken von Mendelssohn & Rheinberger

Das Konzert mit geistlicher Musik sollte ein Gotteslob werden. Eine Botschaft, die spüren lässt, dass es mehr gibt als das Sichtbare, die die Herzen der Zuhörer erreicht.

Chor, Orchester und Gesangssolisten ernteten nach dem Konzert tosenden Applaus.

Mit dem Psalm 95 Opus 46 von Felix Mendelssohn Bartholdy und der Messe in C Opus 169 von Josef Gabriel Rheinberger standen am frühen Sonntagabend des 19. Novembers 2017 in der voll besetzten katholischen Kirche zwei anspruchsvolle Werke der romantischen Epoche auf dem Programm. In Aktion traten der Chor, die Chorakademie und das Orchester St. Nikolaus. Gesangssolisten waren Jenavieve Moore (Sopran), Martina Gmeinder (Alt), Valentin Johannes Gloor (Tenor) und Johannes Schwendinger (Bass). Gertrud Längle-Hofer spielte zwei Zwischenspiele auf der Orgel. Bartholomäus Prankl hatte die Gesamtleitung. Für Hanspeter Küng vom Konzertzyklus, der das Publikum begrüsste, steht und fällt ein so grosses Musikprojekt mit der Person, die den Taktstock in den Händen hält.

 

Ein Aufruf zur Anbetung.

Beim Dirigenten Bartholomäus Prankl sind es die Stimmungen im Konzertsaal, die ihn interessieren. Was passiert durch die Musik, welcher Prozess findet statt, was passiert hinter der Musik, den Tönen? Was macht die Musik mit den Zuhörern? Als Einstimmung auf die beiden grossen Chorwerke spielte Gertrud Längle auf der Orgel «Thema und Variationen» von Felix Mendelssohn. Ein eher meditatives Stück, das das Publikum auf das Kommende vorbereiten sollte. Pfarrer Roman Karrer gab einen kurzen Impuls zum bevorstehenden Chorwerk. Mendelssohn habe dieses Werk immer wieder überarbeitet, bis zur endgültigen Fassung, die nun zu hören sein werde. Respekt vor dem Grossen in der Kunst, das habe diesen Komponisten ausgezeichnet. Der Psalm sei letztlich ein Aufruf zur Anbetung.

 

Ein Wechsel von Dur zu Moll.

«Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat»: So beginnt der Text des Psalms 95 von Felix Mendelssohn. Auffallend in erster Linie war sicher der Tenor Valentin Johannes Gloor, der zum ersten Mal mit dem Chor St. Nikolaus auftrat. Mit ihm begann und endete dieses Werk. Als Spezialist für Werke von Mendelssohn hatte Bartholomäus Prankl diesen Sänger engagiert. Das präzise intonierende Orchester umrankte den Tenorgesang und spannte den

Bogen mit bis zum Einsatz des Chores. Chor, Orchester und Solisten bildeten dann eine auffallende Einheit, das Ergebnis intensiver Proben. Mit «Heute, so ihr seine Stimme höret, so verstockt euer Herz nicht» begann der zweite Teil des Psalms, der vom Text her nach dem frohen Aufruf zur Anbetung im ersten Teil nun eine harsche Mahnung darstellte. Dramatisch kontrastierend war das im Wechsel von Dur zu Moll zu hören. Chor, Orchester und Solisten boten eine vortreffliche Interpretation dieses ausdrucksstarken Werkes.

 

Gertrud Längle spielte dann an der Orgel mit einem Agitato aus den «Miscellaneen» von Josef Gabriel Rheinberger ein kurzes Solostück auf das zweite grosse Chorwerk hin, die Messe in C desselben Komponisten. Für Laienchöre sei es wichtig, sie mit ganz hochstehender Musik zu begeistern, sagt Dirigent Bartholomäus Prankl. Den Gedanken an diese Messe hatte er schon vor zwei Jahren, gerade weil er sie noch nicht kannte, den Komponisten Rheinberger aber sehr schätzte. Auch der Chor war von Beginn weg Feuer und Flamme für dieses Werk. Die Aufführung wurde zum grossen Erlebnis für die Ausführenden und für das Publikum. Mit diesem Juwel romantischer Kirchenmusik, das durch eingängige Melodiebildung und raffinierte Harmonik auffiel, trug man dazu bei, dieser Orchestermesse wieder einen festen Platz im Repertoire zuzuweisen. Der frenetische Applaus am Schluss führte zu einer Zugabe, einer Gebetsvertonung von Felix Mendelssohn: «Verleih uns Frieden gnädiglich»

 

Theodor Looser · 21.11.2017