Schola St. Nikolaus auf der Musikinsel Rheinau

Die Schola St. Nikolaus, eine von Kirchenmusiker Bartholomäus Prankl geleitete Formation des Chors St. Nikolaus, Altstätten, die sich schwergewichtig der Pflege des einstimmigen gregorianischen Chorals widmet, verbrachte ein intensives Probenwochenende auf der Musikinsel Rheinau. Diese Institution ist im ehemaligen Kloster Rheinau untergebracht, etwas unterhalb des Rheinfalls auf einer Insel im Rhein gelegen. Die Musikinsel  bietet sowohl räumlich wie atmosphärisch die idealen Bedingungen für konzentriertes Arbeiten an musikalischen Projekten.

Für die Schola St. Nikolaus stand die Vorbereitung auf ihre Mitwirkung in den Gottesdiensten der Passions- und Osterzeit auf dem Programm. Das Zentrum der Arbeit bildete die Johannespassion von Heinrich Schütz. Dieses Werk erreicht durch seine Schlichtheit hohe dramatische Eindringlichkeit. Konstituierende diesbezügliche Elemente sind einerseits die weitgehende Konzentration auf den Evangeliumstext des Johannes (daneben gibt es nur einen titelgebenden Eingangs- und einen meditativen Schlusschor), andererseits die Tatsache, dass die Passion a capella, d.h. ohne Instrumentalbegleitung, gesungen wird. Insofern stellt die Passion für die Ausführenden (Favoritsänger, also Solisten, und Chorsänger/innen) eine ganz besondere Herausforderung in musikalischer wie textlicher Hinsicht dar. Ihr stellten sich die Schola-Mitglieder erfolgreich, gewann doch das Werk im Laufe der beiden Probetage immer mehr an Statur. Diese eher selten zu hörende Passionsmusik wird in Altstätten innerhalb der Karfreitagsliturgie am 14. April in der Pfarrkirche St. Nikolaus erklingen. Die Passion von Schütz entstand Mitte des 17. Jahrhunderts.

Viel weiter zurück in der Musikgeschichte führten die Schola zwei Werke der Gregorianik, die ebenfalls am Probenwochenende einstudiert wurden. Der Hymnus «Crux Fidelis» entstammt der ältesten erhaltenen Musikhandschrift der  Welt. Sie ist als «Cantatorium» in der Stiftsbibliothek St. Gallen aufbewahrt und wurde zwischen 922 und 926 geschrieben. Dieser hochmittelalterliche Hymnus wird ebenfalls integrierender Bestandteil der Karfreitagsliturgie sein: Er begleitet die Kreuzverehrung. Am Sonntag «Laetare» (26. März) singt die Schola den Introitus «Laetare Jerusalem», der in zwei St. Galler Handschriften erhalten ist und um das Jahr 1000 entstanden sein dürfte. Für die Osternacht sind zwei Sätze von Bartholomäus Prankl vorgesehen: das «Halleluja in der Osternacht» und das «Gloria in vigilia paschalis». Im Ganzen also ein befrachtetes Wochenende, das nicht nur reichen musikalischen Gewinn, sondern auch viel Vorfreude auf die bevorstehenden Einsätze in den entsprechenden Gottesdiensten brachte!

Arthur Oehler